Geboren und aufgewachsen in Essen, ist es nicht leicht als Arbeiterkind aus dem Ruhrpott dem Ruf der literarischen Musen zu folgen. Ich habe es trotzdem getan, und, die Zeit verflog, stets meine Ziele verfolgt.

Es war nicht immer einfach, und ist es heute noch nicht, doch der Drang zu schreiben, ließ sich, trotz aller Bemühungen von außen und mir selbst,  nicht unterdrücken.  Ob sich die Arbeit gelohnt hat, müssen am Ende die entscheiden, die meine Bücher lesen.

Ich hoffe es sehr.

Ich lebe noch in Essen, einer Stadt, die trotz aller Schwierigkeiten und nicht nur schöner Erinnerungen, meine Heimat  und die meiner Familie ist. Und sollten sie sich die Mühe machen, sich meine umfangreichen fotografischen  Arbeiten anzusehen, so werden sie viel von diesem Heimatgefühl darin wiederfinden. Sie sind, vielleicht noch mehr als meine Bücher,  ein Spiegel meiner Seele, und mein Ausdruck sich mit der Zeit auseinanderzusetzen, in der wir leben.

Ich gehöre einer Generation an, die es nicht leicht hat, ihre Identifikation zu finden. Geboren zwanzig Jahre nach Kriegsende, in den Zeiten relativen wirtschaftlichen Wohlstands, zu jung, um die umwälzende Kulturrevolution zu begreifen, die die 68er Jahre mit sich brachten, habe ich manchmal das Gefühl, in einem luftleeren Raum zu sein. Die Anforderungen, die daß Leben stellte, die einen Charakter formen, waren rein materieller Natur. Wir haben uns gut eingerichtet in den Jahren der Sorglosigkeit, in denen kein Krieg am Horizont drohte, Tabus gebrochen und Mauern endlich gefallen sind. Wo aber sind unsere Aufgaben? Was ist unser Anteil an der Geschichte? Wir haben aus dem Vollen geschöpft, ohne groß darüber nachzudenken, was es für Folgen für nach uns kommende Generationen haben  wird -  das Problem scheinen wir lösen zu wollen, in  dem wir einfach keine Kinder mehr in die Welt setzen -, und langsam damit begonnen uns unsere Existenzgrundlage unter den Füssen wegzuziehen. Wir hinterlassen der nächsten Generation ein schweres Erbe und ich kann nur hoffen - aber es ist eine geringe Hoffnung, angesichts des Bildungsstandes, resultierend aus einer miserablen Bildungspolitik und dem Schatten des Turbokapitalismus, der über uns schwebt, wie ein Damoklesschwert -, daß sie es besser machen wird.

Als gelernter Buchhändler, mußte ich den schweren geistigen Verfall der letzten Jahre hautnah miterleben. Ich habe den Niedergang eines Berufszweiges mitangesehen, der mir in der Seele schmerzt. Ich halte Fortschritt für wichtig, und dennoch denke ich, daß es uns in vielen Bereichen gut anstehen würde, zurück zu den Wurzeln zu kehren. Wenn man beginnt alles nur noch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu betrachten, gehen Mensch und Menschlichkeit verloren, und übrig bleiben wird eine Welt, in der niemand leben will und kann. Ich habe mir stets erlaubt, den Blick auch zurück in die Vergangenheit zu werfen, um aus den Fehlern, die gemacht wurden zu lernen, vor allem aber um zu erkennen, was die Generationen vor uns gut, vielleicht sogar besser als wir gemacht haben. Mir scheint, eine Symbiose von Vergangenheit und Gegenwart, könnte eine Option für die Zukunft sein.

Zum Schluß will ich diejenigen, denen ich auf einem Lebensweg, der nicht immer gerade war und eben, um Verzeihung für begangenes Unrecht bitten. Auch wenn es nicht einem als bösartig zu definierenden Charakter entsprungen ist, so bleibt es doch Unrecht und es kann und muss die Aufgabe sein, aufzuarbeiten, Ursprünge und Gründe zu erkennen und zu benennen, zu reflektieren. 

Mein Dank gilt meinen Eltern und den Freunden, die auch in schwierigen Zeiten zu mir gestanden haben.